Es begann harmlos.
Als Jana in ihre neue Wohnung zog, fiel ihr sofort auf, wie still es dort war. Kein Straßenlärm, keine Nachbarn, nicht einmal das übliche Knarren alter Häuser. Nur diese seltsame, fast greifbare Ruhe.
In der ersten Nacht schlief sie tief und fest.
In der zweiten Nacht hörte sie ein Geräusch.
Ein leises Klopfen.
Drei Mal.
Ganz gleichmäßig.
Aus der Wand neben ihrem Bett.
Jana setzte sich auf, lauschte. Nichts. Vielleicht die Heizung, dachte sie. Alte Rohre.
Doch in der dritten Nacht kam das Klopfen wieder.
Drei Mal.
Dieses Mal stand sie auf. Langsam. Barfuß. Das Parkett unter ihren Füßen war eiskalt.
Sie legte ihre Hand an die Wand.
Klack. Klack. Klack.
Direkt unter ihrer Handfläche.
Jana wich zurück. Ihr Herz raste. Das war keine Heizung.
Das war… zu regelmäßig.
Am nächsten Morgen sprach sie den Hausmeister an. Der runzelte die Stirn.
„Die Wohnung stand lange leer“, sagte er nur. „Vor Ihnen… da wollte keiner lange bleiben.“
„Warum?“
Er antwortete nicht. Stattdessen sah er sie nur an, als hätte sie etwas gefragt, das man besser nicht ausspricht.
In der vierten Nacht blieb Jana wach.
Sie setzte sich auf ihr Bett und starrte die Wand an.
Mitternacht.
Nichts.
Halb eins.
Noch immer nichts.
Dann—
Klack. Klack. Klack.
Diesmal kam es nicht aus der Wand.
Es kam aus ihrem Kleiderschrank.
Jana erstarrte.
Langsam drehte sie den Kopf.
Die Schranktür stand einen Spalt offen.
Das hatte sie nicht.
Ganz sicher nicht.
Ein kalter Luftzug kroch durch den Raum. Und dann hörte sie es.
Ein Flüstern.
Ganz leise.
„…Jana…“
Sie sprang auf und riss die Schranktür auf.
Leer.
Nur ihre Kleidung. Still. Unbeweglich.
Sie lachte nervös. „Reiß dich zusammen“, murmelte sie.
Doch als sie die Tür wieder schließen wollte, sah sie es.
Hinten im Schrank.
Etwas Dunkles.
Zu groß, um ein Schatten zu sein.
Zu still, um lebendig zu wirken.
Und dann bewegte es sich.
Ganz langsam.
Nach vorne.
Jana stolperte zurück, ihr Atem stockte.
Das Ding im Schrank hatte keine Augen. Nur eine glatte, dunkle Fläche, wo ein Gesicht sein sollte.
Und dann—
Klack. Klack. Klack.
Diesmal kam das Geräusch von innen.
Aus dem Ding selbst.
Es hob etwas, das wie eine Hand aussah… und klopfte gegen die Innenseite der Schrankwand.
Drei Mal.
Jana schrie und rannte zur Tür.
Doch die Wohnungstür ließ sich nicht öffnen.
Als wäre sie von außen verriegelt.
Hinter ihr erklang das Klopfen wieder.
Näher jetzt.
Langsamer.
Bewusster.
Klack… Klack… Klack…
Und dann, direkt hinter ihr—
„Du hast meinen Platz genommen.“
Am nächsten Morgen stand die Wohnung wieder leer.
Und irgendwo, hinter einer Wand… klopfte es leise.
Drei Mal.
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