Leonie starrte auf ihr Heft, doch die Linien verschwammen vor ihren Augen. Die Worte, die sie eben noch schreiben wollte, waren plötzlich ganz weit weg. Stattdessen hallte nur ein Satz in ihrem Kopf nach: „Wir ziehen um.“
Ihr Vater hatte es am Morgen gesagt, fast beiläufig beim Frühstück. Ein neuer Job. Eine große Chance. Eine andere Stadt. Vielleicht sogar ein anderes Bundesland. Leonie hatte nur genickt, während ihr Müsli langsam weich wurde.
Jetzt saß sie im Klassenzimmer, umgeben von vertrauten Stimmen, vertrauten Gesichtern – und hatte doch das Gefühl, schon nicht mehr richtig dazuzugehören.
„Alles okay?“, fragte Mia leise und legte eine Hand auf ihre Schulter.
Leonie schüttelte kaum merklich den Kopf. „Wir ziehen weg“, flüsterte sie.
Einen Moment lang sagte niemand etwas. Die Worte hingen schwer in der Luft. Dann rückte Jonas seinen Stuhl näher heran. „Wann?“
„In ein paar Wochen… vielleicht schon früher.“
Die Gesichter um sie herum veränderten sich. Aus Neugier wurde Sorge. Aus Lachen wurde Stille. Plötzlich war es nicht mehr nur Leonies Problem – es war auch ihres.
„Aber… du kannst doch nicht einfach gehen“, sagte Mia leise.
Leonie zuckte mit den Schultern. „Ich hab ja keine Wahl.“
Das war der schlimmste Teil. Nicht der Abschied. Nicht das Neue. Sondern dieses Gefühl, dass alles entschieden war, ohne dass sie gefragt wurde.
Jonas griff nach ihrem Stift, drehte ihn nervös zwischen den Fingern. „Dann machen wir die letzten Wochen einfach… richtig gut“, sagte er schließlich. „Mit allem, was dazugehört.“
Mia nickte sofort. „Und wir bleiben in Kontakt. Jeden Tag, wenn’s sein muss.“
Leonie hob langsam den Blick. Zum ersten Mal seit dem Morgen fühlte sich der Knoten in ihrer Brust ein kleines bisschen lockerer an.
Vielleicht konnte man nicht alles festhalten. Vielleicht musste man manche Dinge loslassen, auch wenn es weh tat.
Aber vielleicht bedeutete Abschied nicht nur Verlust.
Vielleicht war es auch der Anfang von etwas Neuem.
Und vielleicht… war sie damit nicht allein.
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