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Es war ein grauer Dienstagmorgen, als Leon wie jeden Tag den Schulhof betrat. Die Blätter raschelten unter seinen Schuhen und der kalte Wind zog durch seine dünne Jacke. Seine schwarze Mütze hatte er tief ins Gesicht gezogen. Sie war nicht nur warm, sondern auch etwas Besonderes für ihn. Sein Opa hatte sie ihm vor seinem Tod geschenkt.

Leon war eher ruhig. Er sprach nicht viel mit anderen Schülern und versuchte meistens, keinen Ärger zu bekommen. Doch genau das machte ihn für manche zu einem leichten Ziel.

Noch bevor er seine Freunde erreichen konnte, stellte sich ihm Ben in den Weg. Ben war älter, größer und bekannt dafür, andere Schüler zu ärgern. Neben ihm standen zwei Jungen aus seiner Klasse und grinsten bereits.

„Na, was haben wir denn da?“, sagte Ben spöttisch.

Noch bevor Leon reagieren konnte, riss Ben ihm die schwarze Mütze vom Kopf. Sofort hielt er sie hoch über sich, sodass Leon sie nicht erreichen konnte.

„Gib sie zurück!“, rief Leon erschrocken und streckte sich nach seiner Mütze.

Doch Ben lachte nur. „Nicht so schnell, Kleiner.“

Die anderen Jungen kicherten. Einige Schüler auf dem Schulhof sahen kurz herüber, gingen dann aber einfach weiter. Niemand sagte etwas.

Leon sprang mehrmals nach oben und versuchte verzweifelt, seine Mütze zurückzubekommen. Seine Augen wurden feucht vor Wut und Scham.

„Bitte, das ist meine Mütze“, sagte er leiser.

Ben grinste nur noch breiter und hielt die Mütze extra hoch. „Dann hol sie dir doch.“

Für Leon fühlte sich der ganze Schulhof plötzlich riesig an. Als würden alle ihn anstarren. Sein Herz klopfte schnell und am liebsten wäre er einfach weggelaufen.

In diesem Moment kam Malik über den Schulhof. Er war der Einzige aus Leons Klasse, der oft mit ihm sprach.

„Lass ihn endlich in Ruhe“, sagte Malik ernst.

Ben verdrehte die Augen. „Was willst du denn jetzt?“

„Gib ihm die Mütze zurück“, wiederholte Malik ruhig.

Kurz entstand eine unangenehme Stille. Ben merkte, dass inzwischen mehrere Schüler hinsahen. Schließlich warf er Leon die Mütze vor die Füße.

„Ist ja gut“, murmelte er genervt und ging mit seinen Freunden davon.

Leon hob die Mütze schnell auf und drückte sie fest an sich. Seine Hände zitterten leicht.

„Alles okay?“, fragte Malik vorsichtig.

Leon nickte erst, schüttelte dann aber den Kopf. „Ich verstehe nicht, warum die das machen.“

Malik zuckte traurig mit den Schultern. „Weil manche denken, dass sie stärker sind, wenn sie andere kleinmachen.“

Gemeinsam gingen sie ins Schulgebäude. Leon sagte nicht mehr viel. Aber als er seine Mütze wieder aufsetzte, fühlte er sich wenigstens nicht mehr ganz allein.

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