Es war einmal ein kleiner Kobold namens Miro, der tief im grünen Wald lebte. Seine großen Ohren lauschten ständig den Geräuschen der Natur, und seine hellgrünen Augen sahen Dinge, die andere kaum bemerkten.
Eines Morgens, als die Sonne durch die Blätter schimmerte, entdeckte er auf einem schmalen Waldpfad ein junges Mädchen mit langen, dunkelblonden Haaren.
Das Mädchen hieß Lena.
Sie wirkte traurig und lief langsam den Weg entlang, als würde sie etwas suchen.
„Was ist los?“, fragte Miro neugierig und trat aus dem Gebüsch.
Lena erschrak kurz, doch der kleine Kobold wirkte freundlich. Also erzählte sie ihm, was passiert war.
„Ich suche meinen kleinen Bruder Ben“, sagte sie leise. „Er ist verschwunden. Ich habe mir gewünscht, dass er nicht existiert, weil er immer meine Spielsachen kaputt macht und so viel Aufmerksamkeit bekommt. Und kurz danach… war er einfach weg.“
Miro kratzte sich nachdenklich am Kopf.
„Wünsche können manchmal seltsame Wege gehen“, murmelte er. „Aber wir werden ihn finden.“
Und so machten sich Lena und der Kobold gemeinsam auf den Weg.
Die Begegnung im Wald
Der Pfad führte sie tiefer in den Wald. Die Bäume wurden älter, das Licht gedämpfter und die Geräusche geheimnisvoller. Nach einer Weile blieb Miro plötzlich stehen.
Vor ihnen stand ein gewaltiges Wesen.
Ein riesiger, sanfter Hüter des Waldes mit Hörnern und moosbedeckter Haut. Sein Name war Brumor, und er war so alt wie der Wald selbst.
Lena trat mutig vor.
„Hast du meinen kleinen Bruder gesehen?“, fragte sie.
Der Riese blickte sie lange an, dann deutete er langsam mit seiner großen Hand in die Ferne.
„Der Junge ist im Schloss der Wünsche“, sagte Brumor mit tiefer Stimme. „Dort wohnt der Koboldkönig.“
Lena und Miro sahen sich an.
Der Weg würde nicht einfach werden.
Das Schloss des Koboldkönigs
Nach einer langen Reise durch den Wald erreichten sie schließlich ein großes, altes Schloss aus grauem Stein. Die Mauern ragten hoch in den Himmel, und schwere Tore versperrten den Eingang.
Lena trat näher.
Kaum hatte sie die Hand auf das Tor gelegt, begannen die schweren Türen langsam zu knarren und öffneten sich von selbst.
„Das bedeutet, wir dürfen hinein“, flüsterte Miro.
Gemeinsam gingen sie durch den dunklen Torbogen in das Schloss.
Im großen Saal wartete bereits jemand auf sie.
Vor ihnen stand der Koboldkönig Aldrion, gekleidet in altertümliche Gewänder und mit einer markanten Vokuhila-Frisur
Seine Augen musterten Lena.
„Warum bist du hier, Menschenkind?“
Lena trat vor.
„Bitte gib mir meinen Bruder zurück“, sagte sie. „Ich habe etwas Dummes gesagt. Ich habe mir gewünscht, dass er nicht existiert, aber ich habe das nicht wirklich so gemeint.“
Der Koboldkönig schwieg lange.
„Wünsche sind mächtig“, sagte er schließlich. „Doch auch Reue hat Kraft.“
Nach langen Bitten, ehrlichen Worten und einer aufrichtigen Entschuldigung nickte der König schließlich.
„Dann soll dein Wunsch rückgängig gemacht werden.“
Die Rückkehr
Eine Tür öffnete sich, und dahinter stand der kleine Ben, der neugierig in den Raum blickte.
„Ben!“, rief sie fröhlich.
Lena lief sofort zu ihm und nahm ihn in den Arm.
Der Kobold Miro lächelte zufrieden.
Gemeinsam verließen sie das Schloss und machten sich auf den Heimweg.
Abschied im Kinderzimmer
Als sie schließlich wieder zuhause ankamen, standen sie im Kinderzimmer von Ben. Der kleine Junge kletterte glücklich in sein Bettchen und spielte mit seinen bunten Spielsachen.
Lena kniete sich zu Miro.
„Danke für deine Hilfe“, sagte sie.
Der Kobold zuckte mit den Schultern und grinste.
„Dafür sind Freunde doch da.“
Sie verabschiedeten sich, und Miro verschwand leise wieder in der Nacht.
Am nächsten Morgen
Als Lena am nächsten Morgen aufwachte, hörte sie das vertraute Lachen ihres kleinen Bruders aus dem Kinderzimmer.
Alles war wieder so, wie es sein sollte.
Fast alles.
Denn draußen im Wald saß ein kleiner Kobold auf einem Baumstumpf und lächelte zufrieden.
Und manchmal, wenn Lena heute durch den Wald spaziert, glaubt sie noch immer, ein leises Kichern zwischen den Bäumen zu hören. 🌿✨
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